Wir freuen uns, dass Frau Dr. Benecke ab August wieder unser Praxisteam verstärken wird!

Unsere Praxis

Wie kam ich zu dem Entschluss, Zahnarzt werden zu wollen?

In letzter Zeit bin ich mehrmals gefragt worden, wie ich denn zur Zahnheilkunde gekommen sei. Da die Geschichte einen gewissen Unterhaltungswert hat, gebe ich sie hiermit preis.

Mit ungefähr 16 Jahren hatte ich schon vage Vorstellungen über meine berufliche Zukunft. Dazu gehörten Kundendienstingenieur, Bergingenieur und Sportmediziner.

Dann traf mich ein Ereignis, das äußerst unangenehm war und dennoch mein ganzes Leben so positiv beeinflussen sollte. Ich bekam plötzlich und unerwartet furchtbare Zahnschmerzen, die sogar den damals einschlägigen Schmerztabletten trotzten. Ein uns bekannter Zahnarzt, und das ist die gute Nachricht, hat mich mit der sachgerechten Entfernung des schuldigen Zahns von diesen quälenden Schmerzen befreit. Diese Tatsache beeindruckte mich so sehr, dass ich daraufhin meiner Familie verkündete, Zahnarzt werden zu wollen. In den Folgejahren überraschte selbst mich die Standhaftigkeit dieses Entschlusses.

Aber so ganz einfach bekam man auch in der DDR keinen Studienplatz. Meine Bewerbung für einen Studienplatz in Leipzig wurde abgelehnt. Da mir nach dem Abitur eine zweijährige Soldatenzeit bevorstand, hatte mich das nicht sonderlich beeindruckt.

Zum Ende dieser Zeit in einem Regiment in Sondershausen unternahm ich einen weiteren Versuch gemeinsam mit meinem Freund Olaf Manuwald, mit dem ich im Prorektorat für Studienangelegenheit der Akademie Erfurt Erkundungen in Richtung Studium einholen wollte. Der persönliche Referent des Prorektors behandelte uns aus seinem stahlblauen Anzug heraus und mit abfälligem Blick auf unsere nicht sehr kleidsame Winteruniform ziemlich von oben herab und entließ uns ohne Aussichten auf ein Studium in den nächsten zwei Jahren. Dieses Ärgernis brachte mich auf einen Plan. Wieder in unserem Regiment angekommen, gingen wir direkt zu dem Stabsoffizier Hauptmann Ulbrich, der ein angenehmer Mensch war und als „Mutter des Regiments“ sehr beliebt war. Ihm schilderten wir den für uns diffamierenden Sachverhalt in bunten Farben. Hauptmann Ulbrich war daraufhin deutlich mehr empört als wir und versprach sehr verbindlich, sich dieser Sache anzunehmen.

Vier Wochen später lud uns die Akademie Erfurt zum Aufnahmegespräch ein.

Alles Weitere nahm einen guten Lauf und ich studierte bald darauf „Stomatologie“ an der Zahnklinik in Rostock bei meinem später sehr verehrten Prof. E. Reumuth.

Bis zum heutigen Tag bin ich über diese meine berufliche Weichenstellung sehr, sehr glücklich.

Mit dem Examen in der Tasche ging ich mit drei Kommilitonen aus dem harten Kern nach Magdeburg. Darunter mein bester Freund Jörg Jäkel. Aus naheliegenden Gründen zogen wir das eher große Magdeburg einer Kleinstadt vor. Es dauerte einige Zeit, bis wir die liebgewonnenen studentischen Allüren abgelegt hatten. Das gelang dann auch irgendwann.

Von Anfang an wollte ich ein guter Zahnarzt werden. Das war schon damals in der DDR durchaus möglich.

Hightech stand nicht zur Verfügung. Wir konnten aber sehr gründlich und qualitativ hochwertig behandeln. Ich vermisse das heute vielerorts.

Sehr früh wusste ich von der immensen Bedeutung der Fortbildung. Unser ärztlicher Direktor gestattete nur Freistellungen für Fortbildung innerhalb der Mitgliedschaft in einer stomatologischen Gesellschaft. Da bin ich einfach in vier Gesellschaften eingetreten. Die 10,00 Mark der DDR für ein Jahr Mitgliedschaft in einer solchen Gesellschaft waren auch bei unserem mickrigen Gehalt leicht zu verschmerzen.

Die Wendezeit und die ersten Jahre danach sind ein extra Thema und würden diesen Rahmen sprengen.

Dr. Rainer Littinski

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